Die Quelle von Dr. Šťastný: Die Geschichte des Geysirs von Luhačovice
Die Dr.-Šťastný-Quelle ist zweifellos die dramatischste aller Mineralquellen in Luhačovice. Ihre Entdeckung im Jahr 1929 sorgte europaweit für Aufsehen – und das tragische Schicksal des Arztes, dessen Namen sie trägt, erinnert an das dunkelste Kapitel der modernen Geschichte.
Die Geschichte des Geysirs
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts suchte man in Luhačovice nach neuen ergiebigen Mineralwasserquellen für den wachsenden Kurbetrieb. Beim Bohren eines Brunnens an der Stelle der Janovka-Quelle geschah 1929 etwas Unerwartetes. In einer Tiefe von 39 Metern stieß die Bohranlage auf ein mächtiges Vorkommen von unter Druck stehendem, mit Gas angereichertem Mineralwasser – und dieses schoss sofort in einer Eruption fast 20 Meter hoch in die Luft.
Der gewaltige Mineralwassergeysir, wie ihn Mitteleuropa noch nie gesehen hatte, zog die Aufmerksamkeit von Experten und Journalisten aus dem ganzen Kontinent auf sich. Die Quelle erhielt den bezeichnenden Namen „Gejzír“ und wurde zum Symbol für die unter dem Tal von Luhačovice verborgene Naturkraft. Heute wird der Ausfluss auf 5 Liter pro Minute reguliert, doch die Kraft des Untergrunddrucks bleibt bestehen.
Dr. František Šťastný (1913–1944)
Die Quelle wurde später zu Ehren von MUDr. František Šťastný umbenannt, einem Kurarzt aus Luhačovice, der seine Menschlichkeit mit dem Leben bezahlte. Während der nationalsozialistischen Besatzung versorgte er heimlich verwundete Partisanen in der Umgebung der Weißen Karpaten. Für diese Tätigkeit wurde er von der Gestapo verhaftet und 1944 zu Tode gefoltert. Die Benennung der Quelle nach ihm ist Ausdruck der Ehrerbietung der Stadt gegenüber einem Menschen, der den ärztlichen Eid über seine eigene Sicherheit stellte.
Einzigartige chemische Zusammensetzung
Die Dr.-Šťastný-Quelle gehört zu den am stärksten mineralisierten Quellen in Luhačovice. Es handelt sich um natürliches, sehr stark mineralisiertes, jodhaltiges, kohlensäurehaltiges Wasser vom Typ Hydrogencarbonat-Chlorid-Natrium (HCO₃-Cl-Na). Unter den Quellen von Luhačovice sticht sie durch mehrere Rekordwerte hervor:
- Höchster Jodgehalt (I⁻) – ein Schlüsselelement für die ordnungsgemäße Funktion der Schilddrüse, die allgemeine Immunität und die Vitalität des Organismus
- Höchster Lithiumgehalt (Li⁺) – ein natürliches Beruhigungs- und Stabilisierungselement, das auf das Nervensystem wirkt
- Höchster Bariumgehalt (Ba²⁺) – ein spezifischer Bestandteil der Luhačovice-Wässer, der in europäischen Quellen selten vorkommt
- Höchster Gehalt an Fluoriden (F⁻) – Schutz des Zahnschmelzes und Vorbeugung von Karies
- Hoher Gehalt an Borsäure (HBO₂) – entzündungshemmende und antiseptische Wirkung
Das Wasser ist kalt (10–12 °C), hypertonisch und reich an natürlicher Kohlensäure. Es enthält zudem erhöhte Mengen an Strontium und Bromiden (Quelle: Lázně Luhačovice a.s., 2024).
Anwendung in der Kurbehandlung
Dank seiner außergewöhnlichen Zusammensetzung wird die Dr.-Šťastný-Quelle vor allem für folgende Zwecke genutzt:
- Inhalationstherapie – der hohe Gehalt an Chloriden und Jod verflüssigt den Schleim in den Atemwegen, erleichtert das Abhusten und lindert chronische Entzündungen
- Trinkkuren – die Quelle hat von allen Quellen in Luhačovice den am wenigsten ausgeprägten salzigen Geschmack, was sie für Patienten am besten zum regelmäßigen Trinken geeignet macht
- Gurgeln – bei Entzündungen des Rachens und der Stimmbänder
Die Mineralwässer von Luhačovice helfen allgemein bei der Behandlung von Atemwegserkrankungen, Verdauungsproblemen, Diabetes sowie bei der Rekonvaleszenz nach einer onkologischen Behandlung. Die Quelle Dr. Šťastný ist dank ihres Jod- und Borgehalts besonders ideal für respiratorische Indikationen.
Wo Sie die Quelle finden
Der Pavillon der Dr.-Šťastný-Quelle steht am nordwestlichen Fuß des Velká Kamenná, nordwestlich des Luhačovice-Kurtheaters. Der Ort ist zu Fuß von der Kurkolonnade aus leicht zu erreichen – ein angenehmer Spaziergang durch den Park dauert etwa fünf Minuten. Die Lage aller Quellen finden Sie auf der interaktiven Karte.
Die Quelle ist während der Kur-Saison öffentlich zugänglich. Ihr Pavillon, eingebettet in das Grün unterhalb des Felsmassivs, gehört zu den fotogensten Orten des Parks von Luhačovice.
Weitere Informationen zu den Mineralquellen von Luhačovice finden Sie auf der Seite „Mineralquellen“ oder in der Übersicht über die übrigen Quellen.
Quellen: Lázně Luhačovice a.s. (2024), Girgel M., Hrabec J., Šnajdara P. (2008): Mineralquellen der Region Zlín, Janoška M. (2011): Mineralquellen in Böhmen, Mähren und Schlesien. Siehe auch Mineralquellen in Luhačovice auf Wikipedia.