Berühmte Persönlichkeiten aus Luhačovice
Luhačovice ist nicht nur ein Kurort – es ist die lebendige Geschichte von Menschen, die ihm sein unverwechselbares Gesicht verliehen haben. Vom Architekten, der das Provinzstädtchen in ein Jugendstil-Juwel verwandelte, über den genialen Komponisten, der hier stürmische Liebesaffären erlebte, bis hin zum Arzt und Visionär, ohne den der heutige Kurort ganz anders aussehen würde. Werfen wir einen Blick auf die Schicksale jener Persönlichkeiten, ohne die Luhačovice nicht Luhačovice wären.
Dušan Jurkovič – der Architekt, der Luhačovice sein Gesicht gab
Als der slowakische Architekt Dušan Samo Jurkovič (1868–1947) im Jahr 1902 nach Luhačovice kam, fand er hier ein unscheinbares Kurstädtchen mit einigen alten Gebäuden vor. Innerhalb von nur zwei Jahren verwandelte er es in einen einzigartigen architektonischen Komplex, der in Europa seinesgleichen sucht. Sein Stil – eine Mischung aus der Volksarchitektur des mährisch-slowakischen Grenzgebiets und dem Wiener Jugendstil – verlieh Luhačovice das Gesicht, das es bis heute bewahrt hat.
Jurkovičs erstes großes Projekt war der Umbau zweier alter Gebäude zum Janův dům (heute Jurkovičův dům), wo er getrocknete Lehmziegel meisterhaft mit modernen Betonpfeilern kombinierte und das gesamte Gebäude mit farbenfrohen Malereien verzierte. Im selben Jahr baute er das ehemalige Küchenhaus zur charmanten Villa Chaloupka um, bei der das steinerne Erdgeschoss in ein Holzstockwerk mit Balkonen übergeht. Im Jahr 1903 kamen die Neubauten der Villa Jestřabí, der Villa Vlastimila und des Kurrestaurants, der Badekomplex mit Eingangsgebäude sowie das Gebäude der Hydrotherapie hinzu.
Insgesamt errichtete Jurkovič in Luhačovice zwölf Gebäude im volkstümlichen Jugendstil. Acht davon sind bis heute erhalten geblieben und bilden den Kern des Kurzentrums – alle stehen unter Denkmalschutz. Jurkovič beschäftigte sich auch mit der Gesamtstadtplanung des Kurortes und legte in den Jahren 1907–1914 weitere kühne Entwürfe vor, darunter eine Kolonnade und eine Lesesaal, die jedoch keine Realisierung fanden. Dennoch ist sein Vermächtnis unauslöschlich: Luhačovice sind ohne Übertreibung sein Lebenswerk, wo es ihm gelang, das zu verwirklichen, wovon er träumte – moderne Architektur mit dem Geist der volkstümlichen Tradition zu verbinden.
Leoš Janáček – ein vom Kurort inspiriertes musikalisches Genie
Keine Persönlichkeit ist so tief mit Luhačovice verbunden wie der Komponist Leoš Janáček (1854–1928). Er kam 1886 zum ersten Mal hierher und kehrte ab 1903 fast jeden Sommer zurück – insgesamt mehr als zwanzig Mal. Insgesamt verbrachte er sechzig Wochen seines Lebens in Luhačovice. Für ihn waren sie nicht nur ein Ort der Heilung und Erholung, sondern vor allem eine Quelle kreativer Inspiration und Schauplatz schicksalhafter Begegnungen.
Gerade im August 1903 spielte sich eine Szene wie aus einem Roman ab. In dem von Jurkovič erbauten Kurhausrestaurant erschien eine unbekannte Frau vor Janáček, legte drei Rosen vor ihn hin und verschwand. Es war Kamila Urválková, die schöne und temperamentvolle Frau des Forstrats. Janáček war verzaubert. Er beschloss, für sie eine Oper zu komponieren, die sie von den Verleumdungen reinwaschen sollte – so entstand „Osud“, dessen erster Akt symbolisch auf der Kolonnade von Luhačovice spielt. Der Name der Hauptheldin, Míla Válková, erinnert auffallend an Kamila Urválková. Die Oper feierte ihre Premiere erst 1958, dreißig Jahre nach dem Tod des Komponisten.
Doch Luhačovice hielt für Janáček noch eine weitere, weitaus intensivere Begegnung bereit. Im Juli 1917 traf er im Kurpark die fünfundzwanzigjährige Kamila Stösslová – und verliebte sich Hals über Kopf. Er war dreiundsechzig Jahre alt und sie war verheiratet, dennoch schrieb er ihr in den folgenden elf Jahren über 700 Briefe. Kamila wurde zu seiner Muse: Sie inspirierte die Figuren der Káťa Kabanová und der Emilia Marty in Makropulos, ihr widmete er sein Streichquartett Nr. 2 mit dem bezeichnenden Titel „Intimate Letters“. In Luhačovice entstand auch ein Großteil der Glagolitischen Messe sowie Entwürfe für die Oper „Die schlaue Füchsin“. Das Luhačovice-Zálesí diente ihm zudem als fruchtbare Region für das Sammeln von Volksliedern.
Vladimír Vokurka hat in seiner Publikation „Janáček und Luhačovice“ dessen Beziehung zum Kurort treffend beschrieben: „Janáčeks Beziehung zu Luhačovice war vertraut, aufrichtig und beständig. Jedes Jahr kehrte er in seinen Kurort zurück, um sich vom launischen, facettenreichen und unbeschwerten Leben mitreißen zu lassen, wo seine unersättliche Sinneswahrnehmung Befriedigung, Wohlbefinden und zugleich eine ganze Reihe kreativer Ideen und Inspirationen fand.“ Zu seinen Ehren findet jedes Jahr das Musikfestival „Janáček und Luhačovice“ statt, das im Jahr 2023 sein 30-jähriges Jubiläum feierte.
T. G. Masaryk und weitere Präsidenten in Luhačovice
Der Gründer der Tschechoslowakei, Tomáš Garrigue Masaryk (1850–1937), hatte eine tiefe Verbindung zu Mähren – er wurde im nahegelegenen Hodonín geboren. Er reiste gerne nach Luhačovice und schätzte die hiesigen Mineralquellen, vor allem die berühmte Vincentka. Seine Besuche verliehen der Kurstadt Prestige und zogen die Aufmerksamkeit der ganzen Republik auf sich. Die Hauptstraße in Luhačovice trägt bis heute den Namen Masarykova – eine bleibende Erinnerung an die Verbindung des ersten Präsidenten zu dieser Stadt.
Masaryk war nicht der einzige Präsident, der Luhačovice besuchte. Auch in späteren Zeiten erfreuten sich die Kurorte des Interesses von Staatsmännern – Schirmherrin der 22. Ausgabe des Festivals „Janáček und Luhačovice“ war beispielsweise Livia Klausová. Die Tradition der Präsidentenbesuche bestätigt die außergewöhnliche Stellung von Luhačovice unter den tschechischen Kurorten.
Dr. František Veselý – Begründer des modernen Kurwesens
Ohne MUDr. František Veselý (1862–1923) sähe Luhačovice heute ganz anders aus. Der aus Bystřice nad Pernštejnem stammende Veselý, der ursprünglich für den Priesterberuf vorgesehen war, wurde Arzt und Humanist mit visionärem Denken. Als er 1898 zum ersten Mal Luhačovice besuchte, erkannte er sofort das Potenzial der Heilquellen und der gesunden Umgebung am Fuße der Weißen Karpaten.
Im Jahr 1902 gelang Veselý ein kühnes Unterfangen: Eine neue Aktiengesellschaft kaufte die Kuranstalt von Graf Serényi ab, und der vierzigjährige Arzt wurde mit deren Verwaltung und technischer Leitung betraut. Er war es, der den Architekten Jurkovič nach Luhačovice holte. Gemeinsam verwandelten sie die veralteten Bäder in einen modernen Kurort – Veselý beaufsichtigte die Renovierung der Gebäude, den Bau neuer Anlagen, die Erschließung der Quellen, die Einrichtung einer Mineralwasserabfüllanlage und eines Inhalationsraums. Er führte ein modernes Kurprogramm ein und warb mit Vorträgen, Artikeln und Werbematerialien im In- und Ausland für Luhačovice.
Veselý leitete das Kurhaus bis 1909, als er gezwungen war, sein unvollendetes Werk aufzugeben. Er starb 1923 in Prag. Der Schriftsteller František Kožík verewigte seine Geschichte in dem Roman „Der Zauberer aus der Villa unter den Linden“, der die Persönlichkeit dieses Gründers treffend einfängt, ohne den Luhačovice ein unbedeutendes Städtchen am Rande der Welt geblieben wäre.
Weitere bedeutende Persönlichkeiten, die mit Luhačovice verbunden sind
Luhačovice zog kreative Persönlichkeiten wie ein Magnet an. Der Schriftsteller, Dramatiker und Journalist Karel Čapek, Autor von „Der Krieg mit den Molchen“ und „R.U.R.“, kam mit seiner Frau nach Luhačovice, die sich hier einer Kur unterzog. Der Dichter Jiří Wolker, Autor der Gedichtbände „Host do domu“ und „Těžká hodina“, suchte in den mährischen Kurorten Linderung für seine gesundheitlichen Beschwerden, die ihn schließlich vorzeitig dahinrafften.
Besonders stark war die Verbindung des Prosaautors František Kožík (1909–1997) zu Luhačovice. Er besuchte die Kurorte regelmäßig, ließ sich dort behandeln, erholte sich und schrieb. Im Kurarchiv fand er Material für seinen Roman „Po zarostlém chodníčku“ über Leoš Janáček, und in der Umgebung des Schwimmbads entstand sein Buch „Město šťastných lásek“. Seine Liebe zu dieser Region prägte auch die Liedtexte von Blahoslav Smišovský.
Zu den weiteren Komponisten und Musikern, die gerne in den Kurort kamen, gehörten Otakar Ostrčil, Josef Suk, der slowakische Tenor Janko Blaho sowie die Sopranistinnen Libuše Domanínská und Sylvie Kodetová. Der Schauspieler und Komiker Vlasta Burian, der berühmteste tschechische Komiker der Zwischenkriegszeit, verbrachte die Sommermonate in Luhačovice und war auf den örtlichen Tennisplätzen sogar als Trainer tätig. Auch die Schauspieler Jan Werich und Oldřich Nový sowie die Schauspielerin Nataša Gollová besuchten das Kurbad.
Die angenehme Natur und die einzigartige Atmosphäre inspirierten viele Künstler. Einige ließen sich dauerhaft in Luhačovice nieder – der Impressionist František Pečinka, der Grafiker Jiří Pacák und der Fotograf Otto Otmar. Luhačovice ist untrennbar auch mit dem Schaffen der Maler Antonín Slavíček und Joža Úprka verbunden, die den Zauber der hiesigen Landschaft auf ihren Leinwänden festhielten.
Berühmte Persönlichkeiten aus Luhačovice und Umgebung
Einer der bedeutendsten Söhne der Region war der Ethnograf Antonín Václavík (1891–1959), Autor der monumentalen volkskundlichen Monografie „Luhačovické Zálesí“, die 1930 erschien. Václavík dokumentierte systematisch die Volksarchitektur, Bräuche und Traditionen der Region und schuf eine einzigartige Sammlung dokumentarischer Fotografien von Bauwerken im Luhačovice-Zálesí, deren Wert bis heute zunimmt.
Eine tiefe Verbindung zur Region hatte auch der Seelsorger und Historiker Pater František Müller (1910–1985), ein unermüdlicher Sammler von Mythen und Legenden. In den Jahren 1944–1985 wirkte er am Wallfahrtsort Provodov und widmete seine literarische Tätigkeit unter anderem dem Luhačovice-Zálesí, wo er wertvolle Fragmente der Volkskultur vor dem Vergessen bewahrte.
An die Verbindung berühmter Persönlichkeiten zu Luhačovice erinnert seit 2014 auch die Fußgängerzone mit Bronzeskulpturen, wo Passanten lebensgroßen Figuren historischer Persönlichkeiten begegnen. Dies ist ein treffendes Symbol dafür, wie natürlich sich große Geschichten mit dem Alltagsleben dieser außergewöhnlichen Kurstadt vermischen. Denn Luhačovice boten berühmten Menschen nicht nur Raum für Heilung und Erholung – sie gaben ihnen auch Inspiration für ein Schaffen, das bis heute fortbesteht.